Kein Raum für rechtsklerikalen Kulturkampf im Sports Gym Witten und anderswo!

Für Samstag, den 11. Juli, wirbt der Verein „Christkönigtum e. V.“ für ein Treffen im Sports Gym Witten an der Westfalenstraße. Auf dem Programm stehen Kampfsporttraining und ein gemeinsames Essen – beworben wird das Event als Veranstaltung „für die katholischen Männer“.

Für Ennepe-Ruhr stellt sich quer (ENSSQ) ist klar: Hinter dieser vermeintlich harmlosen Männerveranstaltung steht keine gewöhnliche Sportgruppe. Der Verein „Christkönigtum e. V.“ verbindet Kampfsport, ein reaktionäres Männlichkeitsbild, katholischen Fundamentalismus und politischen Kulturkampf. Seine öffentlichen Auftritte richten sich gegen queere Menschen, sexuelle Selbstbestimmung, Gleichstellung und religiöse Vielfalt.

Fanatischer Kulturkampf

Bereits im September 2025 fand im Sports Gym Witten ein Kampfsporttreffen desselben Vereins statt. Nach Recherchen des Magazins Lotta sprach der Wittener Vereinsakteur Gordon Haupt dort vor rund 40 Teilnehmenden von einem „brutalen Kampf“ gegen angeblich „falsche Religionen“ und „falsche Ideologien“, welche die Werte des „christlichen Abendlandes“ und „das ganze Volk“ bedrohten. Zur Rede steht damit keine rein sportliche Veranstaltung, sondern die martialische Inszenierung eines fanatischen Kulturkampfs mit klaren Feindbildern.

Der Verein versucht insbesondere junge Männer über Gemeinschaft, körperliche Härte und ein autoritäres Bild von Männlichkeit anzusprechen. Kampfsport wird dabei nicht einfach als Sport betrieben, sondern mit einer fundamentalistischen Ideologie und dem Bild einer kämpfenden katholischen „Schlachtreihe“ verbunden. Körpertraining, Gruppendruck, religiöser Fundamentalismus und rechte Ideologie greifen hier ineinander.

Nähe zur exkommunizierten Piusbruderschaft

Besonders besorgniserregend ist die enge ideologische und personelle Verbindung von „Christkönigtum e. V.“ zur sogenannten Piusbruderschaft. Lotta beschreibt den Verein als einen aktivistischen Arm dieser fundamentalistischen und antisemitisch geprägten Organisation. Aktive von „Christkönigtum“ nehmen regelmäßig an Gottesdiensten und Prozessionen der Piusbruderschaft teil; umgekehrt wirken Geistliche aus deren Umfeld bei Veranstaltungen des Vereins mit.

Diese Verbindung hat in den vergangenen Tagen zusätzliches Gewicht bekommen: Nachdem die Piusbruderschaft am 1. Juli 2026 gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. vier Priester zu Bischöfen geweiht hatte, stellte der Vatikan die Exkommunikation der beteiligten Bischöfe fest. Das Glaubensdikasterium bewertet die Weihen als schismatischen Akt. Nach der vatikanischen Erklärung befinden sich die Geistlichen der Piusbruderschaft im Schisma; formal angeschlossene Laien können ebenfalls von der Exkommunikation betroffen sein. Der Vatikan ruft Gläubige ausdrücklich dazu auf, nicht an von der Piusbruderschaft organisierten Feiern und Aktivitäten teilzunehmen.

Anknüpfungspunkte zur AfD

Auch zur rechtsradikalen AfD und ihrem Umfeld bestehen deutliche politische Anknüpfungspunkte. Der Verein veröffentlichte selbst ein Interview unter dem Titel „Darum wählen Katholiken die AfD“ mit dem AfD-Abgeordneten Franz Schmid und stellte ihn darin positiv als „engagierten“ und „geradlinigen“ Politiker vor.

Darüber hinaus nahm Lukas Courtial, der in den Gruppen des Vereins aktiv war und an einer „Straßenmission“ von „Christkönigtum“ in Dortmund teilnahm, im Januar 2025 einen Sitz im Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm über die AfD-Liste ein. Courtial vertritt ein extrem antifeministisches Weltbild: Er forderte unter anderem die Abschaffung des Frauenwahlrechts und die völlige Unterordnung von Frauen unter Männer.

Der Verein „Christkönigtum“ sucht insgesamt sichtbar Anschluss an rechte Milieus, verbreitet AfD-kompatible Kulturkampfpositionen und bietet Personen aus diesem Umfeld eine Bühne. Die Schnittmenge ist eindeutig: Antifeminismus, Queerfeindlichkeit, autoritäre Familienbilder, Hetze gegen Selbstbestimmung und die Vorstellung eines angeblich bedrohten „christlichen Abendlandes“.

Geschäft mit religiös verbrämten Irrlehren?

Das äußerst offensive Werben um Mitglieder und Spender durch den Verein aber auch der vom Vorstandsmitglied Gagliano Brieger betriebene Online-Devotionalienhandel, der völlig überteuerten Kitsch feil bietet, werfen die Frage auf, ob hinter der politreligiös fundamentalistischen Seelenfängerei nicht auch ein geschäftliches Interesse steht. Es würde jedenfalls völlig ins Bild der halbseidenen Protagonisten und der von ihnen vertretenen Irrlehren passen, wenn mit der Verbreitung ihrer reaktionären Ideologie auch ein eigener „Ablasshandel verbunden wäre.

Sports Gym sollte absagen!

Uns ist nicht bekannt, ob dem Sports Gym der politische und ideologische Hintergrund des Veranstalters bei der Vermietung bekannt war. Gerade deshalb appellieren wir an die Verantwortlichen: Ziehen Sie die Konsequenzen und sagen Sie die Veranstaltung am 11. Juli ab.

Wer Gruppen wie „Christkönigtum e. V.“ Räume überlässt, bietet ihnen mehr als eine Trainingsfläche. Er bietet ihnen einen Ort, an dem sie ihre menschenfeindlichen und autoritären Vorstellungen normalisieren, neue Anhänger gewinnen und sich als gesellschaftlich akzeptierten Teil Wittens inszenieren können und muss sich daher schließlich auch fragen lassen, ob er sich mit deren Positionen gemein macht.

Witten darf kein Ort werden, an dem religiöser Fundamentalismus, Antifeminismus und rechte Ideologie unter dem Deckmantel von Sport und Gemeinschaft Anschluss finden.

Wir von ENSSQ sagen klar:

  • Kein Raum für Menschenfeindlichkeit – auch nicht im Sport!
  • Keine Normalisierung eines rechtsklerikalen Kulturkampfes in Witten!
  • Keine Bühne für Gruppen, die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung bekämpfen!
  • Sports Gym: Übernehmt Verantwortung und sagt ab!

Quellen

  1. https://www.lotta-magazin.de/ausgabe/100/altar-media/ „Altar-Media“
  2. https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2026-07/piusbruderschaft-exkommunikation-schisma-dekret-vatikan-weihe.html „Bischofsweihen der Piusbrüder: Exkommunikation bestätigt“
  3. https://web.archive.org/web/20251209180736/https://christkoenigtum.de/2025/02/05/darum-waehlen-katholiken-die-afd-interview-mit-dem-abgeordneten-franz-schmid/ „Darum wählen Katholiken die AfD – Interview mit dem Abgeordneten Franz Schmid“
  4. https://www.aida-archiv.de/2025/11/17/christkoenigtum-muenchen-kampfsport-und-kulturkampf/ „Christkönigtum München: Kampfsport und Kulturkampf“

Die WAZ Witten gibt dem Faschismus eine Bühne!

Am Sonntag, den 31. August veröffentlicht die WAZ in Witten einen Bericht über die AfD-Politikerin Edda Hasenkamp, welche vollkommen unkritisch und ohne jegliche Einordnung, ihre rechtsextremen Positionen wiedergeben bzw. die Gefahr, welche von der menschenverachtenden Politik der AfD ausgeht, herunterspielen kann.

Verharmlosung von Faschismus

Neben der Tatsache, dass ihr Vater Michael Hasenkamp mehr als „nur konservativ“ ist, sondern eine rechtsextreme Vergangenheit hat und der AfD ideologisch, sowie bei der konkreten Ratsarbeit, nahe steht, kann sich Edda Hasenkamp hier als die unschuldige junge Frau präsentieren, die nur was für ihre Heimat machen möchte. Dass ihre Vorstellung von Heimat, aber das Leben unerträglich für Geflüchtete, Migrant*innen, queere Personen, selbständige Frauen, behinderte und arme Menschen macht, wird vollständig ausgespart. Eher im Gegenteil kann sie sogar ihre sozialen Medienkanäle benennen, wo Menschen weiter mit rechten Inhalten indoktriniert werden.

Noch weniger nachvollziehbar erscheint diese Berichterstattung vor dem Hintergrund des gezielten Desinformationskampfes der AfD gegen seriösen Journalismus und ihrer wiederholten Diffamierung der freien Presse als „Lügenpresse“, ein Begriff mit starker NSDAP-Prägung.

Die WAZ muss diesen Artikel aufarbeiten!

Wieso dieser Artikel, es so in die Zeitung geschafft hat, während andere Politiker*innen demokratischer Parteien deutlich weniger Raum in der WAZ bekommen und Edda Hasenkamp nicht mal eine reale Chance hat, in den Stadtrat einzuziehen, wäre dagegen aus Transparenzgründen wichtig zu erfahren. Es muss eine kritische Aufarbeitung innerhalb der Lokalredaktion geben und folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wieso darf eine rechte Frau, sich so unkritisch präsentieren und die AfD verharmlost darstellen?
  • Wieso werden Tatsachen zum Teil verdreht oder falsch dargestellt, um ein geschöntes Bild der Familie Hasenkamp zu präsentieren?
  • Welche Verantwortung nimmt die WAZ Lokalredaktion in Witten ein, wenn es heißt, sich dem aufkeimenden Faschismus zu widersetzen? Insbesondere mit der Tatsache, dass der ehemalige Chef der Lokalredaktion Arthur Venn selbst ein enger Mitarbeiter von Heinrich Himmler war?

Es braucht eine Aufarbeitung! Es braucht eine klare Haltung!

Keine Werbung für Rechtsextreme! Keine unkritische Berichterstattung! Keine Verharmlosung des Faschismus – egal wie unschuldig sie daherkommen!

Wir freuen uns darüber, wenn viele Menschen, bei der WAZ kritisch nachfragen und ihre Kritik konstruktiv z.B. in Form von Leserbriefen und Kommentaren zur Geltung bringen.

Wahlkampf im Ennepe-Ruhr-Kreis: AfD greift zu körperlicher Gewalt

Im Ennepe-Ruhr-Kreis kam es am Samstag zu körperlichen und verbalen Angriffen durch AfDler und AfD-Sympathisanten. In Witten kam es vor dem Büro der SPD zu massiven verbalen Attacken von zwei AfDlern gegen ein SPD-Mitglied. Eine Passantin ist glücklicherweise dazwischengegangen.

Opfer krankenhausreif geschlagen

Beinahe zur selben Zeit hielt die AfD einen Infostand vor dem Ruhrtalcenter in Wetter ab. Hierbei wurde ein Aktivist und Blogger gegen 12:50 Uhr tätlich angegriffen. Dieser nahm sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahr und stand mit einem antirassistischen Plakat friedlich am Rande des Infostandes. Sein Handy, mit welchem der Angriff dokumentiert wurde, wurde ihm entwendet. Couragierte Zeug*innen des Vorfalls riefen einen Krankenwagen und leisteten dem am Boden liegenden Opfer des Angriffs erste Hilfe. Auch dies stoppte den Angreifer nicht. Dieser bedrohte nun auch die helfenden Menschen verbal und forderte lautstark deren Abschiebung. Der AfD-Stand wurde hastig mit dem Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst abgebaut. Das entwendete Handy wurde von der Polizei in einem Mülleimer direkt am AfD-Stand gefunden. Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht.

Menschenrechte wählen!

Die AfD und ihr Umfeld bereiten den ideologischen Nährboden für faschistische Gewalttaten und suchen die Nähe zu gewaltbereiten Neonazis, wie die jüngsten Correctiv-Recherchen beweisen. Offenbar fühlt sich die faschistische AfD derzeit sehr stark, so dass sie immer enthemmter ihre menschenfeindliche Ideologie äußert und sie in die Tat umsetzt. Deshalb ist es wichtig, dass alle demokratisch denkenden Menschen im Sinne der großen Anti-Nazi-Proteste von vor einem Jahr an der Bundestagswahl teilnehmen und ihre Stimme einer Partei geben, die sich für Menschenrechte und Solidarität einsetzt.

Wir sind solidarisch

„Auch wenn es uns nicht überrascht, sind wir als ENSSQ besorgt über die Eskalation und Gewalttätigkeit in der politischen Auseinandersetzung. Wir stehen solidarisch an der Seite des verletzen Mitbürgers & Antifaschisten!“, so ein Sprecher von ENSSQ.

Dies ist erst der Anfang des Wahlkampfes. Auch in den kommenden Wochen wird die AfD mit Infoständen im EN-Kreis präsent sein. ENSSQ rät dazu, das Gewaltpotential der AfD nicht zu unterschätzen und nach Möglichkeit nicht alleine demokratischen Gegenprotest zu leisten. Stattdessen ruft das Bündnis dazu auf, sich den kommenden Protest-Aktivitäten anzuschließen und seinen Social-Media-Kanälen und diesem Blog zu folgen. Dort wird über Kundgebungen und Demos im Kreis auf den laufenden halten.